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Einsatzbericht von Kerstin Müller-Jannusch und Nadine Herrmann

Einsatzort: Nyabondo vom 04.02. – 18.02.2012 

Einsatzleistende:

  • Kerstin Müller-Jannusch
  • Nadine Herrmann

„Schreib doch bitte einen Einsatzbericht!“ wurde ich von Dr. Joachim Schinkel bei unserem Telefonat über meinen ersten „Dentists for Africa“-Einsatz in Nyabondo/Kenia gebeten. Die letzten Berichte hatte ich gelesen und die meisten Fakten hätte ich ohne Veränderung übernehmen können: sei es die manchmal mangelnde Effektivität unserer Einsätze wegen schlechter Organisation, die ewig defekte transportable Einheit, die praktisch nicht vorhandene Praxishygiene und Materialökonomie usw. usw....

Aber das ist es nicht, was mir nach diesen zwei Wochen am Herzen liegt. Ich war erstmalig in Afrika und ich reiste dorthin, nicht um Landschaft und Getier zu sehen, sondern ich war neugierig auf die Menschen,die ich dort treffen würde. In meiner Teenager-Zeit arbeiteten in einem Maschinenwerk der DDR einige kubanische Mitmenschen. Sie wurden bestaunt, bewundert,akzeptiert,abgelehnt, beschimpft, gemocht, gehasst, kontaktiert, gemieden… Wie würde es mir in Kenia ergehen?

Wie sicher jeder neue Einsatzleistende las ich mir vor der Reise alle Hinweise, Tipps, Regeln und Vereinbarungen durch, die mir der Verein zur Verfügung gestellt hatte. Ein Fakt schien mir allerdings besonders wichtig und hakte sich förmlich in mein Gehirn: Bei allen heroischen Zielen, die wir bei unseren Einsätzen verfolgen, sind wir dennoch vor allem GÄSTE. Daran sollte man sich während des Aufenthaltes ab und an erinnern. Sehr hilfreich für die Justierung meiner Erwartungen waren viele Gespräche mit dem Kollegen Stefan Olek und seiner Ehefrau, die meiner Helferin Nadine und mir mit einer Engelsgeduld immer wieder Rede und Antwort standen und viele wertvolle Tipps für die Reise, den Aufenthalt und vieles mehr, gaben.

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Wir starteten in Berlin und sollten planmäßig über Amsterdam fliegen. Wegen starken Schneefalls dort wurden wir über Qatar umgebucht und waren dadurch nicht 10:45 Uhr sondern 18:05 Uhr Ortszeit in Kisumu. Wir waren verschwitzt, müde, hungrig und dennoch so erleichtert und glücklich, als wir hinter dem Maschendrahtzaun des Flughafens die weiße Tracht einer Sister leuchten sahen. Wir durchquerten das Gebäude und wurden empfangen von drei strahlenden Gesichtern: Sister Lilian, Sister Seraphina und dem Fahrer Martin. Auch uns war wohl die Freude ins Gesicht geschrieben, denn wir wurden sofort herzlichst begrüßt und uns umfing eine Wärme, die mit den Außentemperaturen nichts zu tun hatte. Meine Befürchtungen, mein Englisch würde nicht ausreichen und ich würde vor einer Sprachbarriere stehen, zerbröselten schon auf der Autofahrt nach Nyabondo. Wir waren angenehm überrascht vom Gäste-Bungalow, glücklich über heißes Wasser, ein leckeres Abendessen und ein sauberes Bett.

Wir verabredeten uns mit Sister Lilian für den folgenden Tag zum Rundgang durch das Hospitalsgelände, den Ort Nyabondo und das Witwendorf. Auf diesem Rundgang wurden wir vielen Menschen vorgestellt. Alle waren sehr freundlich und erwiderten unser Lachen. Nie musste ich öfter an das Sprichwort denken „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es wieder heraus.“ Mit Freundlichkeit war alles ganz einfach. Auch die Mitarbeiter der Unit begrüßten uns freundlich, aber mit entsprechender Zurückhaltung, was mich nicht wirklich wunderte. Liebe Kollegen! Stellt euch vor, wir bekämen alle zwei- bis drei Wochen andere fremdsprachige Mitstreiter in unser Nachbar-Sprechzimmer gesetzt, die uns dann auch noch sagen wollen, wie wir zu arbeiten haben. Jeder von ihnen kommt mit anderen Anforderungen, Zielen und Wünschen und stört uns dann noch mit Fragen bei der Arbeit. Hätten wir dann noch die gleiche Freundlichkeit, Geduld und Hilfsbereitschaft wie meine Helferin und ich sie von Karen, Florence und Francis erfahren haben? Am ersten Tag verschafften wir uns erstmal einmal still einen Überblick über die Materialien, Instrumente, Geräte und deren Verteilung im Sprechzimmer. Dann ging’s los…

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Wann immer wir Fragen hatten oder Hilfe brauchten, weil ein Patient kein Englisch verstand, half uns einer der drei einheimischen Mitarbeiter sofort. Wir waren vorerst ebenfalls etwas zurückhaltend. So durchliefen wir unsere gegenseitige Schnupperphase, suchten aber dennoch immer wieder dezent das Gespräch mit unseren Nachbarn: Fragen, Antworten – keine Anweisungen! Gegenseitige Neugier, gegenseitiges Entdecken! Der Umgang miteinander war sehr freundlich und rücksichtsvoll. Francis wurde uns als Assistenz zur Seite gestellt, nahm seine Aufgabe sehr ernst und erfüllte sie mit Eifer und Wissensdurst. Da allgemein bekannt ist, dass weit mehr als die Hälfte der zwischenmenschlichen Kommunikation nonverbal abläuft, sollte man sich sehr feine Antennen dafür mitbringen und die Brechstange zuhause lassen. Wenn etwas für uns sehr ungewöhnlich,fremd oder erstmal unbegreiflich war, versuchten wir uns in die Lage unseres Gegenübers zu versetzen. Das öffnete uns oft die Augen. Mit jedem Tag wurde der Umgang lockerer und lustiger und damit konnte auch begonnen werden, sich vorsichtig über Probleme auszutauschen und gemeinsam deren Bewältigung anzupacken. Von hinten durch die Brust ins Auge angepirscht, trafen wir mit manchem Hinweis doch auf offene Ohren.

Natürlich sind generell unsere Möglichkeiten in Kenia begrenzt. Aber man freut sich über kleinere Erfolge, wie z.B. wenn die von uns angebotene Taschenlampe nach anfänglicher Ablehnung dann doch bei Stromausfall in Gebrauch genommen wurde. Als sich in der zweiten Woche sogar einige meiner Kollegen und Kolleginnen auf meinen Behandlungsstuhl setzten und um Kontrolle oder Behandlung baten, war der Damm wohl vollends gebrochen. Die Zeiten, in denen keine Arbeit war, haben wir uns nicht im Gäste-Bungalow verschanzt, sondern in der Unit mit unseren Mitarbeitern zusammen gesessen. In solider Handarbeit produzierten wir Tupfer und tauschten uns aus über Sitten und Gebräuche, Menschen, Wirtschaft, Landwirtschaft, Bildung, das Leben, den Tod, Krankheiten, Übergewicht, Klima und vieles andere mehr in Kenia wie in Deutschland. Das gegenseitige Interesse war enorm.Oft kamen neue Hospitalsangestellte dazu, die sich ebenfalls gern mit uns unterhielten.

Natürlich haben wir auch aus zahnmedizinischer Sicht vieles geschafft, wenn wir auch oft durch die Gegebenheiten ausgebremst wurden. Wir haben unerwartet viele Füllungen gelegt, erwartet viele Zähne extrahiert, Zahnstein entfernt,sogar zwei Wurzelbehandlungen erfolgreich durchgeführt und für unseren Physiotherapeuten zuhause für Arbeit gesorgt. Wir sind uns dessen bewusst, dass mit „deutscher“ Organisation wesentlich mehr Patienten hätte geholfen werden können. Dann wäre uns
allerdings auf der zwischenmenschlichen Ebene auch viel verloren gegangen.

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Also sind wir im Endeffekt zufrieden und glücklich darüber, wie sich unser Aufenthalt in Nyabondo gestaltet hat.Wir konnten viele Menschen kennen und schätzen lernen. Was will der Dichter damit sagen? WAS DU AUSSENDEST; KEHRT ZU DIR ZURÜCK!

Herzlichst, Kerstin Müller-Jannusch

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