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Einsatzbericht von Katharina Weiland-Zejewski zum Witwenprojekt St. Monica Village

23.06.2013 bis 04.07.2013

Montag, 24.06.2013 - Ankunft in Kenia, Materialbeschaffung und erste Eindrücke

Nach meiner Ankunft am Kisumu Airport gegen 11 Uhr warte ich auf jemanden vom Krankenhaus der mich abholt. Es ist niemand zu sehen, ich warte etwa 15 Minuten als ich beschließe im Krankenhaus anzurufen. Gerade habe ich mein Telefon in der Hand als mich jemand anspricht und fragt ob ich die Katharina aus Deutschland bin. Es ist Fr. Francis, der sich auch gleich für die Verspätung entschuldigt. Er wäre auf der Suche nach einer älteren Dame gewesen, erst nach einem Telefonat mit Sr. Seraphine hat er sich auf die Suche nach einer 34 jährigen Weißen gemacht. Wir müssen darüber beide lachen und machen uns auf den Weg in die Stadt. Ich besorge Material für mein Vorhaben, mit den Witwen Memory Books für ihre Kinder zu schreiben und kaufe ein paar Lebensmittel im Nakumatt. Fr. Francis lädt mich zum Mittagessen ein, er ist sehr nett und macht einen sympathischen und unkomplizierten Eindruck.
Im Gästehaus in Nyabondo angekommen, zeigt er mir den Anbau zum Gästehaus, eine offene Rundhütte, in der man gemütlich zusammensitzen kann. Das Gästehaus selbst ist gefliest und neu gestrichen. Es macht einen ordentlichen Eindruck. Ich treffe auch meine Nachbarinnen Karin und Jutta. Sie erzählen mir von ihren umfangreichen Aufräumarbeiten nach der Renovierung, von der Entfernung der Fugenmasse auf den Fliesen bis hin zum Reinigen der Gardienen, die beim Anstrich nicht abgenommen wurden.
Willkommen in Afrika!
Lois G., eine Angestellte des Krankenhauses fängt an mein Zimmer herzurichten, sie erzählt mir, dass sie Mitglied im Witwenprojekt ist, sie gehört zur Rehemagruppe und ist HIV positiv.
Ich packe aus und mache mich auf den Weg zum St. Monica Village. Dort hängt ein Plakat, das mich willkommen heißt. Als erstes treffe ich auf die Chairlady Mary Ogutu und die Managerin Rhoda Ogada.
Es folgen herzliche Umarmungen und Begrüßungen. Doreen, die ich besonders gern mag ist auch da und strickt Socken an ihrer Maschine. Die Halle ist gut besucht, dort findet gerade ein Workshop der Gemeinde statt. Es geht darum, kindgerechtes Spielzeug selbst herzustellen. Die Gruppe begrüßt mich mit Gesang und Tanz. Einige Witwen sind auch dabei und zeigen mir stolz ihr selbstgebautes Spielzeug. Dann wird gebetet.
Die Halle und das ganze Gelände machen einen sehr positiven Eindruck. Die Bepflanzung ist hübsch, alle Gebäude sind in blau und grün gehalten. Die Managerin erzählt mir, dass die Witwen selbst gestrichen haben. Wir setzten unseren Rundgang fort, die Drainagegräben verlaufen quer über das Gelände. Die Arbeiten müssen noch abgeschlossen werden aber die Funktionalität ist schon gegeben. Es gab keine Überschwemmungen mehr. In der Bücherei zeigt die Managerin mir ein Bienennest. Ich freue mich, denn das scheint ein gutes Zeichen zu sein, da wir ohnehin in zwei Monaten mit einem Bienenprojekt für die Witwen und Waisen starten wollen.

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Dienstag 24.06.2013 - Versammlung der Witwen

Memory Books
Das Meeting ist für 14 Uhr angesetzt. Einige Witwen erscheinen schon früh am Morgen und vertreiben sich die Zeit mit Korbflechtereien. Gegen Mittag beginnen wir damit, den anwesenden Witwen einen Film auf dem Laptop zu zeigen in dem es um die Hintergründe geht ein Memory Book für die Kinder zu schreiben.
Wichtig ist, den Kindern ihre Wurzeln zu erhalten, sie müssen wissen woher sie kommen, wer ihre Verwandten sind, welchem Stamm sie angehören, und es ist wichtig ihnen viele Kleinigkeiten mitzuteilen, die zunächst unwichtig erscheinen aber später wenn die Eltern verstorben sind, von großer Bedeutung sein können. Viele Kinder verlieren ihre Eltern durch AIDS wenn sie noch sehr klein sind und können sich später kaum an ihre Familien erinnern.
Die Halle füllt sich schnell und bald wird der Laptop zu klein für so viele Frauen. Die Managerin organisiert deshalb auf dem Markt in Nyabondo einen Fernseher, einen DVD Player und Lautsprecher damit alle den Film sehen können. Die Witwen sind durch den Film sehr berührt und wollen unbedingt ein Memory Book für ihre Kinder schreiben. Wir stellen klar, dass die Bücher nur im St. Monica Village geschrieben werden und die Bücher erst dann mitgenommen werden dürfen wenn sie fertig sind. Witwen, die nicht schreiben können oder schlecht sehen, müssen jemanden mitbringen, der für sie schreibt. Der erste Workshop soll am Donnerstag stattfinden. Die Halle ist mittlerweile mehr als voll. Viele Witwen sitzen auf dem Fußboden stehen in den Eingangstüren oder schauen von draußen durch die Fenster. Ich beginne mit dem Vorstellen des nächsten Projekts.

PeePoo Sanitärbeutel
Mrs. Opande übersetzt in Luo für diejenigen, die Englisch nicht verstehen. Es geht um PeePoo Sanitärbeutel der schwedischen Firma Peepoople (www.peepoople.com). Die Beutel sind eine sinnvolle Alternative zu den herkömmlichen Plumpsklos, die in Kenia üblich sind. Die Plumsklos liegen meist etwas außerhalb des Wohnhauses der Witwen. Vor allem in der Nacht, ist es für viele Frauen und Kinder gefährlich diese aufzusuchen. Es kommt immer wieder vor, dass Frauen vergewaltigt oder beraubt werden wenn sie des Nachts unterwegs sind. PeePoo ermöglicht ihnen Erleichterung in der Nähe ihres Hauses. Die Beutel werden über einen kleinen Eimer gestülpt und können zu Hause für das kleine und große Geschäft genutzt werden. Mit einem Knoten verschlossen bleibt der Beutel geruchsdicht bis zum nächsten Tag. Dann wird er, da biologisch abbaubar, in der Erde vergraben. Ein eingearbeitetes kleines Säckchen ist mit weißem Pulver (Harnstoff) gefüllt und tötet nicht nur alle Keime ab sondern wandelt die Exkremente innerhalb von 2 bis 4 Wochen in hochwertigen Dünger um, der so für angebautes Gemüse genutzt werden kann.
Die Witwen zeigten große Begeisterung für diese Beutel und hatten viele Fragen. Später erfuhr ich, dass die Preise für herkömmlichen Dünger stark gestiegen seien. Wir einigten uns darauf zunächst ein PeePoo Testbeet im St. Monica Village anzulegen. Zunächst werden 30 Beutel auf der Toilette im St. Monica Village ausgelegt, einmal am Tag eingesammelt und vergraben. Dann wird Gemüse angepflanzt um die Wirksamkeit des Düngers zu prüfen. Bei gutem Ergebnis könnten die Beutel in den Gärten der Witwen genutzt oder durch die Witwen vertrieben werden.

Vorstellen der Satzung
Als dritten und letzten Punkt haben Mrs. Opande und ich die aktuelle Satzung sowohl in Englisch als auch in der Luo-Sprache vorgestellt. Die Witwen hatten dabei noch einen Änderungswunsch. Sie haben festgelegt, dass eine Witwe, die drei monatliche Meetings versäumt hat aus dem Projekt ausgeschlossen wird. Bei jedem Meeting wird nun eine Anwesenheitsliste geführt. Nachdem ich die Änderung vorgenommen hatte wurde die Satzung vom Witwenvorstand unterschrieben.

Mittwoch 25.06.2013 - Besuch im Haus einer Witwe

Mrs. Opande, die Secretary des Witwenprojektes hat mich zu sich nach Hause eingeladen. Sie kommt zum Gästehaus und holt mich ab. Mit dem Motorradtaxi fahren wir zu ihrem Haus in Nyamaroka, das etwa 4 km von Nyabondo entfernt liegt. Über einen steinigen Weg erreichen wir ihr Grundstück. Ich begrüße ihre Nachbarn und ihre Familie. Sie bittet mich ins Haus. Es ist einfach, nicht besonders groß aber sauber und hübsch eingerichtet. Sie zeigt mir ein Bild ihres Mannes, das an der Wand hängt. Er ist vor vielen Jahren an Nierenversagen gestorben nachdem er sich mit Malaria infiziert hatte. Immer wieder kommen Familienmitglieder vorbei, die sich mit mir unterhalten wollen. Mit ihrem Schwager, einem Lehrer, führe ich ein nettes Gespräch über die Schule, den aktuellen Lehrerstreik, die Landwirtschaft in Deutschland und in Kenia, dazu gibt es geröstete Erdnüsse und Tee. Nach und nach versammelt sich die ganze Familie um den Tisch und es gibt Mittagessen. Gekochte Kürbisblätter, Ugali, Fisch, Soße und zum Abschluss gekochten Kürbis. Dann bekomme ich Geschenke; eine Tasche und eine Tüte mit Kürbissamen damit ich das Gericht auch zu Hause nachkochen kann. Ich bin überwältigt über so viel Gastfreundschaft. Eine Erfahrung, die ich schon oft in Kenia machen durfte. Je weniger die Menschen haben, desto großzügiger sind sie.

Donnerstag 26.06.2013 - Erster Tag des Memory Book Workshops und Wiedersehen mit unserem Patenkind

Früh am Morgen treffe ich mich mit der Managerin im Witwendorf um Bücher zu binden, die an die Witwen während des Workshops ausgegeben werden sollen. Zeitgleich mit mir, treffen auch schon die ersten Witwen ein und nehmen in der Versammlungshalle Platz. Kurz darauf steht plötzlich unser Patenkind Amos mit seiner Schwester Jael in der Tür um mich zu begrüßen. Sie setzten sich gleich hin und helfen mit die Bücher zu binden.  

Bei meinem letzten Besuch im Witwendorf hatte ich bereits eine Bindemaschine mitgebracht. Diesmal hatte ich 450 Kugelschreiber im Gepäck, die ich zuvor in meiner Heimatstadt bei verschiedenen Banken und Unternehmen als Spende angefragt hatte. Allen Spendern sei an dieser Stelle recht herzlich gedankt. In meinem Gepäck hatte ich auch Kreide und eine 3m lange Tafelfolie, die wir als Schreibtafel nutzen konnten.

Der Workshop beginnt. Mrs. Opande und ich geben die Themenbereiche vor. Ich schreibe in Englisch, Mrs. Opande schreibt die Übersetzung gleich daneben in der Sprache der Luo an die Tafel. Jede Witwe beginnt damit, für wen sie das Buch schreibt. Sie schreibt etwas über ihre Herkunft, ihren Stamm, ihre Brüder, Schwestern und Eltern. Sie schreibt darüber, wie sie ihren Mann kennengelernt hat, über seinen Lebenslauf und über ihre Hochzeit. Leider gibt es in der Versammlungshalle zu wenig Tische, so dass die meisten Witwen ihre Bücher auf dem Schoss schreiben mussten. Trotzdem bleiben sie bis zum Nachmittag und schreiben weiter. Am Abend fährt die Managerin nach Sondu um mehr Material für weitere Bücher zu kaufen, die wir am nächsten Tag ausgeben wollen.

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Freitag 27.06.2013 - zweiter Tag des Memory Book Workshops

Als ich das Witwendorf erreiche wird in der Küche schon gekocht. Heute soll es bei dem Workshop auch etwas zu Essen geben. Um die Zutaten zu besorgen habe ich der Managerin 10.000 KSH gegeben. Das sind gerade einmal 90€. Dieses Geld hat gereicht um an diesem Tag 150 Frauen satt zu bekommen.
Der Workshop beginnt, viele ältere Witwen haben ihre Angehörigen mitgebracht, die für sie schreiben. Heute schreiben sie über das Leben nach der Hochzeit, über die Schwierigkeiten des Alltags und über den Tag als das erste Kind zur Welt kam. Sie schreiben über die Geburt und darüber,  wer den Namen für das Kind ausgesucht hat. Sie schreiben diese Details zu allen ihren Kindern. Einige Witwen haben 16 Kinder.

Samstag 28.06.2013 - Ausflug mit unserem Patenkind und seinen Geschwister zum Lake Nakuru National Park

Der Tag beginnt um 7 Uhr mit einem Frühstück im Büro von Sr. Seraphine. Unser Patenkind Amos, seine Geschwister Allan, Ewans, Jael, Penina und Judith sind gekommen um mit mir, Sr. Seraphine und Sr. Modesta zum Lake Nakuru zu fahren. Allan erzählt mir, dass dies ein ganz besonderer Tag ist weil keiner von ihnen bisher weiter als ins 5 km entfernte Sondu gekommen sei. Wir fahren mit dem Vereinsauto entlang der Teeplantagen von Kericho, die Kinder sind schon von der Landschaft ganz fasziniert. Es geht weiter über den Trans African Highway. Kurz vor Nakuru geraten wir in eine Polizeikontrolle, wir waren etwas zu schnell und nach langer Diskussion verlangt die Polizistin 2000 KSH als Strafe. Ihr Kollege ist aber der Meinung wir müssten mit auf die Wache und nimmt das Geld nicht an. Die Polizistin sitzt mit uns im Auto damit wir nicht flüchten können. Sie erzählt uns, dass sie auch von Sisters groß gezogen wurde, sie habe ihnen viel zu verdanken und sie hält die Aktion ihres Kollegen für völlig übertrieben. In der Polizeistation angekommen spricht die Polizistin kurz mit den Kollegen im Gebäude, die haben keine Lust zu uns raus zu kommen und so entfernt die Polizistin die Markierung an unserem Auto und wir dürfen ohne etwas zu bezahlen weiter fahren. Wir kaufen unterwegs noch ein paar Sodas und wechseln, im Park angekommen, unser Fahrzeug und steigen in einen Safaribus mit offenem Dach. Wir sehen Antilopen, Giraffen, Pelikane, Flamingos, Wasserbüffel, Zebras, Warzenschweine und Löwen. Die Kinder filmen und machen viele Fotos mit meiner Kamera. Es ist ein toller Tag. Auf dem Rückweg halten wir im Nakumatt weil ich Eis kaufen möchte. Amos weiß beim Anblick der Einkaufsmall gar nicht wo er zuerst hinschauen soll. Er möchte mit in den Supermarkt und ich frage ihn ob er etwas haben möchte. Er kauft vier Schulhefte und eine Tube Zahnpasta. Ich frage ihn ob das wirklich alles ist was er haben möchte. Wir kaufen dann noch einen Schokoriegel, zwei Batterien für sein Radio und ein paar Buntstifte. Nach langer und anstrengender Rückfahrt erreichen wir gegen 20 Uhr das Krankenhaus und verabschieden uns.

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Sonntag, 29.06.2013 - Übergabe des Laptops an den Witwenvorstand und die Managerin, Besprechung des Bienenprojektes

An einem Sonntag ist in der Regel nicht viel los im Witwendorf. Die Witwen sind meist von Montag bis Freitag dort um zu arbeiten. Am Samstag und Sonntag gehen die Witwen in die Kirche, es sei denn, die Halle ist gebucht und es findet dort eine Veranstaltung statt. Nach dem Kirchgang treffe ich mich am Sonntagnachmittag mit den Witwen um ihnen den Laptop zu erklären, den ich ihnen mitgebracht hatte. Der Laptop soll die Verwaltungsarbeit vereinfachen und den Witwen Kosten sparen da sie bisher alle Abrechnungsunterlagen im Internetcafe eingescannt und per E-Mail verschickt haben. Das hat an manchen Tagen 8 Stunden gedauert. Neben dem Laptop mit Internetstick haben die Witwen auch einen Fotoapparat bekommen damit in Zukunft auch mehr Bilder geschickt werden können.

Wir besprechen das anstehende Bienenprojekt. Der Bienenstock in der Bücherei ist mittlerweile doppelt so groß geworden und der ganze Raum riecht nach Honig.
Wir suchen nach einem Standort für die zukünftigen Bienenstöcke und haben die Idee das bestehende Hühnerhaus in ein Bienenhaus umzuwandeln.Die Hühner mussten aus dem Haus entfernt werden weil der Boden immer feucht war als es stark geregnet hat.
Danach wurde das Gelände drainiert aber die Hühner sind nicht mehr dort. Damit Kinder keine Steine auf die Bienenstöcke werfen können und die Bienen ihre Ruhe haben  wäre eine Umbauung der Bienenstöcke gar nicht schlecht. Ein sauberer, abschließbarer Raum für das Equipment und die spätere Honiggewinnung wurde im Tailoringdepartment gefunden. Die Witwen haben drei laminierte Bücher bekommen in denen die Grundlagen erklärt werden. Wenn in zwei Monaten das Bienenprojekt starten soll sind die Witwen gut vorbereitet. Sr. Seraphine kümmert sich darum Waisenkinder zu finden, die mit in das Bienenprojekt einsteigen.

Montag, 01.07.2013 - dritter Tag des Memory Book Workshops

Heute schreiben die Witwen darüber, wo sie ihre Kinder bekommen haben. Waren sie im Krankenhaus oder zu Hause? Darüber wie sie sich gefühlt haben als sie ihr Kind zum ersten Mal gesehen haben. Darüber wie der Vater reagiert hat und wer zur Geburt gratuliert hat. Sie schreiben Lieder auf, die sie ihren Kindern vorgesungen haben und sie Schreiben über Dinge die sie besonders stolz gemacht haben.

Während des Mittagessens muss die Managerin nach Sondu fahren um weiteres Material für die Bücher zu kaufen. Wir haben schon über 150 Bücher ausgegeben und es kommen immer neue Witwen, die mit dem Schreiben beginnen wollen.

Es bildet sich mittlerweile eine Warteschlange weil wir mit der Produktion der Bücher nicht mehr hinterherkommen. Zudem kommt noch, dass die Bindemaschine langsam ihren Geist aufgibt. Besonders schön ist es zu sehen, wie die Kinder oder auch die erwachsenen Söhne den Frauen beim Schreiben helfen.  Die Bindemaschine hält bis zum Ende durch. Ich schraube sie auseinander und stelle fest, dass zwei Federn gebrochen sind.

Wir wollen nach Hause gehen als es anfängt zu regnen, deshalb beschließen wir uns noch einmal um den Laptop zu versammeln und das Gelernte von gestern zu wiederholen.

Dienstag, 02.07.2013 - Ausflug mit dem Witwenvorstand und der Managerin nach Kisumu, Meeting mit dem Team der Dental Unit im Gästehaus

Ich treffe mich mit zwei Mitgliedern des Witwenvorstandes und der Managerin am Gästehaus. Martin fährt uns nach Kisumu. Unterwegs sammeln wir die restlichen Mitglieder des Vorstandes ein. Ich bin von der Arbeit des Witwenvorstandes, deren Zusammenhalt und der positiven Entwicklung des ganzen Projektes sehr beeindruckt und denke mir sie haben es verdient auch einmal einen schönen Tag zu verleben. Deshalb habe ich eine Bootsfahrt auf dem Victoria See geplant und will anschließend mit ihnen auf den Massai Markt um Ideen für den Handarbeitsverkauf zu sammeln.

Am Bootsanleger angekommen verspricht uns der Guide eine Stunde Bootsfahrt mit Erklärungen zu Flora, Fauna, dem Hippo Point und den Fischern des Sees. Er will uns in ein Boot setzen, dass mir aber nicht gefällt weil es schon sehr heruntergekommen aussieht. Ich sage ihm, dass ich in dieses Boot sicher nicht einsteigen werde. Es legt gerade ein anderes Boot an und einige Amerikaner steigen aus. Ich stimme zu dieses Boot zu nehmen und denke mir, es kann so schlecht nicht sein wenn die damit gefahren sind. Als sie ausgestiegen sind, fängt der Guide an mit einem umfunktionierten Benzinkanister Wasser aus dem Boot zu schöpfen. Ich frage noch ob irgendeine Gefahr besteht. Er verneint. Ich frage nach Rettungswesten. Er verneint. Wir steigen ein.

Die Chairlady möchte lieber am Ufer warten bis wir wieder da sind, sie hat Angst. Dann steigt sie doch ein. Es wird gesungen und wir haben viel Spaß. Die Managerin und die Vizesecretary schöpfen abwechseln das Wasser aus dem Boot, das durch die undichten Holzplanken gelaufen ist. Auf dem Rückweg kann auch die Chairlady wieder lachen und auch für Martin war es ein schönes Erlebnis. Dann fahren wir in einen Bookshop um eine neue Bindemaschine zu kaufen. Die Produktion der Memory Books ist noch nicht abgeschlossen und die Managerin hatte die Idee auch weiterhin Bücher zu binden und diese gewinnbringend an Seminarteilnehmer zu verkaufen wenn die Halle gebucht wird.

Auf dem Massai Markt kaufen wir noch ein paar Karten um sie als Anregung für die selbstgebastelten Karten der Witwen zu nutzen. Wir sehen viele schöne Dinge, die die Witwen auch herstellen können.

Wir essen zu Mittag und zum Abschluss bekommt jede noch ein Kilo Zucker geschenkt. Dann fahren wir zurück.

 

Teambesprechung der Dental Unit
Im Gästehaus findet gerade eine Teambesprechung statt. Am Tag zuvor haben wir erfahren, dass Florence in der Dental Unit gekündigt hat.
Sie ist trotzdem gekommen. Fr. Franzis, Dr. Audi, Karen, Felix, Dominik, jemand mit einem Laptop, den ich nicht kenne, Karin und Jutta sitzen zusammen als Martin und ich uns ihnen anschließen.
Es gibt Schnittchen und Fr. Franzis freut sich auf sein Heineken, das wir ihm mitgebracht haben. Die Stimmung ist zunächst etwas angespannt alle wirken etwas verschüchtert und keiner traut sich etwas zu sagen.
Dr. Audi fängt an von den Dingen zu erzählen, die besonders gut laufen und holt ziemlich weit aus. Fr. Francis stellt klar, dass es sich hier um eine Evaluation handelt, also darum, Dinge zu verbessern und nicht darum die positiven Seiten hervorzuheben. Es gibt wenige Vorschläge dazu die geringe Patientenzahl und die hohen Mobile Kosten zu verbessern.
Dr. Audi möchte die Mobiles ungern einkürzen weil er es für sehr wichtig hält die Patienten in den entfernteren Gegenden zu erreichen.
Ich schlage vor ein Schild mit Sprechzeiten und einer Notrufnummer an der Tür der Dental Unit anzubringen, damit Patienten nicht unnötig vor der Tür warten und dann unverrichteter Dinge wieder gehen.
Fr. Franzis würde am liebsten eine weitere Unit in Sondu aufmachen weil der Ort dichter besiedelt ist und vor allem für viele Patienten leichter zu erreichen sei. Die meisten Patienten scheuen die hohen Transportkosten zum Krankenhaus was der Hauptgrund für die geringe Patientenzahl sei.
Ich schlage vor, Mobiles in Sondu zu machen und besonders arme und behandlungsbedürftige Patienten mit dem Krankenhausauto auf dem Rückweg mitzunehmen. Die Stimmung wird langsam etwas gelöster und schlussendlich war es eine nette Runde von der Karin und Jutta in ihrem Bericht sicher noch ausführlicher berichten werden. Man sollte vielleicht versuchen, nach jedem Einsatz mit dem Team der Dental Unit eine Teambesprechung zu veranstalten und das nicht nur in Nyabondo. Wichtig ist dabei, dass man den Afrikanern nicht vor den Kopf stößt und ihnen das Gefühl gibt, sie hätten alles falsch gemacht. Das Meeting muss ja auch nicht unbedingt im Krankenhaus stattfinden vielleicht kann man es auf neutralem Boden stattfinden lassen ggf. sogar im Rahmen eines kleinen Ausfluges als Dank für gute Arbeit.

Mittwoch, 03.07.2013 - Der letzte Tag, Verabschiedung und Zukunftsplanung im Witwendorf und Verbesserungsmöglichkeiten

Nachdem ich gepackt habe und die vielen Geschenke, die ich von den Witwen bekommen habe verstaut hatte, stelle ich fest, dass meine eigenen Sachen nicht mehr in den Rucksack passen. Ich gehe ins Witwendorf und verschenke meine Kleidung an die Witwen, die zu meiner Verabschiedung gekommen sind. Bevor mich Fr. Francis zum Flughafen fährt, halte ich noch eine Nachbesprechung mit dem Witwenvorstand im Office des Witwendorfes.

Das PeePoo Testfeld soll bald errichtet werden. Die Drainage des Geländes erfolgt nach der nächsten Überweisung, ebenso die Stromanbindung für Hotel und Office. Dann soll auch ein Kühlschrank und der Brotbackofen gekauft werden. Die Witwen bitten um weitere Seminare für nachhaltige Landwirtschaft, die hoffentlich zusammen mit dem Dünger aus den PeePoo Beuteln eines Tages eine nachhaltige Alternative zu den Feeding Programms darstellen werden. Seminare zur HIV Prävention sollen auch weiterhin stattfinden damit die Witwen dieses Wissen an zukünftige Generationen weitergeben können. In der Halle werden dringend Tische benötigt und evtl. auch noch weitere Stühle, da die Meetings aufgrund der Anwesenheitslisten und der neuen Satzung jetzt größer ausfallen als bisher. Für das Hotel wünschen sich die Witwen eine Pommesschneidemaschine. Bisher schneiden sie eimerweise Kartoffeln mit der Hand und mit stumpfen Messern. Die Managerin braucht neue Aktenordner und ein weiteres Regal im Office. Der Showroom könnte auch etwas schöner gestaltet werden, bisher liegen die Sachen dort wie auf einem Wühltisch. Kleiderbügel und ein Regal wären gut. Ein Workshop zur Herstellung von Handtaschen ist geplant und die Witwen sind schon sehr gespannt auf das Bienenprojekt.

Ganz besonders dankbar sind sie über die NHIF Cards also die Krankenversicherung, die die Witwe selbst und ihre Kinder in Bezug auf stationäre Behandlungen abdeckt. 

Für mich war es wieder einmal eine unvergessliche Zeit, die viel zu schnell vergangen ist. Die Herzlichkeit und Dankbarkeit der Witwen zeigen mir, dass es sich lohnt seine Freizeit in deren Zukunft zu investieren.
Beeindruckt hat mich vor allem der Gemeinschaftssinn und Zusammenhalt zwischen den Generationen. In Kenia ist es eine Selbstverständlichkeit, das man sich gegenseitig hilft, völlig egal ob jung oder alt. Es war eine tolle Zeit.

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