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Einsatzbericht von Dr. Dieter Bolten, Dr. Ulrich Schwarz, Dr. Hans-Joachim Schinkel

  

Hauptzweck war die Durchführung der Seminarwoche für die Zahnmedizinstudenten, Oral Health Officer, Zahntechniker, Medical Engineers und Collegestudenten aus unserem Patenschaftsprojekt für Waisen. Außerdem nahmen am Seminar die Oral Health Officer bzw. Angestellten der von uns eingerichteten Dental Units aus Nairobi, Nakuru, Elburgon, Asumbi, Nyabondo, Kaplomboi, Kapnyeberai und Kisumu teil. In Kenia organisierte Sister Fabian alles perfekt und wir hatten ideale Rahmenbedingungen um drei wichtige Ziele zu erreichen: Zum einen durch  Wissensvermittlung und –austausch die Qualität der zahnmedizinischen Behandlung zu erhöhen, die Organisation der Praxen zu verbessern und zum anderen uns gegenseitig besser kennen zu lernen. 

Die  Präsentationen der kenianischen Teilnehmern über Kariesursachen und -ätiologie, Prävention, Fluoridierung, Mundhygiene, Anästhesietechniken, Kavitätenpräparation, Amalgam- und Compositeanwendung, Parodontalerkrankungen, Kommunikation und Patientenführung, Management von Infektionskrankheiten, Postexpositionsprophylaxe gegen eine HIV- Infektion, Wartung der zahnärztlichen Geräte, Anästhesietechniken und Indikationen und Risiken bei Lokalanästhesie und Zahnextraktionen gaben uns Einblick in deren Wissenstand. Auch die sich jeweils anschließenden regen Diskussionen riefen in mir den Eindruck hervor, dass die Zahnmedizin an sich ein Fachgebiet ist, an das man sich von kenianischer Seite langsam und doch mit wachsender Intensität herantastet.

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Zwei Lehrer der Mount- Kenya – University nahmen an drei Tagen teil und gestalteten das Programm eines Tages mit Präsentationen über Prothetik und Kieferorthopädie. Die Möglichkeiten der Wissensanwendung werden massiv durch die kaum vorhandenen materiellen Mittel eingeschränkt und doch ist es erstaunlich wie aus fast „nichts“ etwas gemacht wird. Durch das Seminar ist der Kontakt zum zahnmedizinischen College hergestellt. 

Die moderne Zahnmedizin wurde besonders durch die Vorträge von Ulrich Schwarz über Wurzelkanalbehandlungen , von Dieter Bolten über Parodontalerkrankungen und ihre Auswirkungen auf den Organismus, meinerseits über die Anwendung moderner Füllungsmaterialien und Fissurenversieglung und dem Zahnmedizinstudenten Maximilian Fibig aus München über Desinfektion und Sterilisation eingebracht.

Am dritten Tag kamen Christa und Raimar Köster dazu, die beide das Seminar sehr bereicherten: Raimar durch seine fachlichen Ergänzungen und Christa durch ihre professionellen Fotos, die große Begeisterung hervorriefen. Dass die Kooperation mit uns geschätzt und wichtig genommen wird, zeigte die Teilnahme aller Administratoren der Krankenhäuser in denen wir Zahnstationen eingerichtet haben. Gemeinsame Ziele sind einerseits die Sicherstellung der zahnmedizischen Behandlung von Menschen, die sich diese sonst nicht leisten könnten und andererseits sich finanziell selbsttragende Dental Units.

Folgende Punkte wurden besprochen:

  • Motivation des Personals durch Einführung von Leistungszuschlägen abhängig von Patientenzahlen. Eine Herausforderung stellt besonders dar, dass in Regierungskrankenhäusern nahezu doppelt so viel wie in privaten verdient wird und dazu nur die Hälfte der Zeit gearbeitet werden muss.
  • Buchhaltung der Zahnarztpraxen getrennt von sonstiger Krankenhausbuchhaltung, um Wirtschaftlichkeit einschätzen zu können;
  • Differenzierung des bisherigen Preissystems unter Berücksichtigung qualitativ höherwertiger Behandlungsformen. Besserverdienende sollen auch adäquat bezahlen, um die Behandlung armer Menschen zu ermöglichen.
  • Notwendigkeit des Kaufs von Materialien und Instrumenten, die nahezu täglich gebraucht werden, durch die Krankenhäuser ( z.B. Anästhetika, Spritzen, Kanülen, Handschuhe, Amalgam und sonstige Füllungsmaterialien, Gips usw.
  • Einrichtung eines Zentrallagers in Kisii, um gerechte Verteilung unserer Hilfsgüter zu erreichen und den Verfall von Materialien zu verhindern;
  • Zahnmedizinische Gesundheitsprogramme in Schulen eventuell unter Einbindung anderer medizinischer Felder, wie Malaria- und Aidsprävention und Hautkrankheiten. Die Bezahlung der Behandlungen durch uns wird durch Verträge gewährleistet, wenn eine qualitativ gute Behandlung der Kinder gewährleistet wird und die Behandlung durch vollständige Unterschriften nachgewiesen ist.
  • Die beste Werbung für die Praxen, ist eine qualitative hochwertige Behandlung bei der der Patient im Mittelpunkt steht. Außerdem ist eine kontinuierliche Erreichbarkeit der Praxen per Telefon sicherzustellen und Visitenkarten werden gedruckt, die jedem Patienten mitgegeben werden.
  • Bisher wird die finanziell durch uns getragene Wartung der zahnärztlichen Geräte durch den Medical Engineer Bernard Bee aus Nyabondo durchgeführt. Der Absolvent unseres Waisenprogramms Felix, der als Med. Engineer im Krankenhaus Kasarani arbeitet soll die Wartung der Stationen in Nakuru und Nairobi übernehmen. Mittelfristig wird ein weiterer unserer Absolventen (Kevin) durch B. Bee eingearbeitet.
  • Alle Administratoren erhalten künftig von Sr. Seraphine eine Datei, wann unsere Collegestudenten aller medizinischen Berufe Praktika, Internship (einjähriges praktisches Jahr nach der theoretischen drei- bis vierjährigen Ausbildung) bzw. ihren Berufsabschluss erreichen. So können diese planmäßiger in die Dental Units integriert werden. Außerdem wurde informiert, das unsere Absolventen sich fünf Jahre verpflichten, in den Krankenhäusern unserer Projekte zu arbeiten.

 

Sister Fabian als fertige Zahnärztin und Sister Sunya, die im fünftem Studienjahr Zahnmedizin studiert, werden so bald wie möglich die Koordination der zahnärztlichen Projekte in ihren jeweiligen Orden übernehmen. Nach dem Überreichen der Zertifikate gab es viel positives Feedback. Ein guter Anfang ist gemacht, sowohl in Bezug auf Vernetzung aller von uns eingerichteten Praxen, bei der Vertiefung des zahnmedizinischen Wissens und des besseren gegenseitigen Verstehens. Künftig werden noch mehr praktische Aspekte in den Mittelpunkt gestellt werden.Danke vor allem an Sr. Fabian für die Organisation in Kenia, an Ulrich und Dieter für ihre perfekten Vorträge und an Christa Köster für die perfekten Fotos.

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Nach dem Seminar sind wir nach Kisii gefahren. Dort gibt es in der neu ausgestatteten Praxis unter der engagierten Administratorin Sr. Rosbella gutes Entwicklungspotenzial. Unbefriedigend sieht es noch in Asumbi aus. Die neue Behandlunngseinheit ist unvollständig installiert. Zahlreiche Materialien fehlen, vieles ist unaufgeräumt. Oral Health Officer Gladys scheint noch überfordert und ohne deutsche Einsatzleistende und Sr. Fabian wird wohl kaum Besserung eintreten, auch wenn die sehr fähige Sr. John Mary als Leiterin des Krankenhauses uns unterstützen wird.

Ein sehr konstruktives vierstündiges Gespräch führten wir mit der Superior General Sister Margaret Aringo.  Sie hört zu, repräsentiert einen anderen für kenianische Verhältnisse neuen und demokratischen Führungsstil und wird dabei von ihren Mitschwestern anerkannt und respektiert. Anwesend waren auch Sr. Seraphine als kenianische Verantwortliche unseres Patenschaftsprojektes und die Stellvertreterin von Sr. Margaret, Sr. Alwina, die an unserer Jahrestagung 2012 in Tübingen teilnahm. Der Wert unserer gemeinsamen Projekte wird als sehr hoch eingeschätzt.

Folgende Festlegungen wurden getroffen: 

  • Besprechung der mit den Administratoren während des Seminars abgesprochenen Punkte

  • Unterzeichnung aktualisierter Verträge

  • Patenschaftsprojekt: Die von uns mit den Patenkindern abgeschlossenen Verträge über die fünfjährige Verpflichtung in unseren Projekten zu arbeiten und die zehnprozentige Rückzahlung der Gelder der Berufsausbildungsförderung in den Educational Fund zur Unterstützung weiterer Waisenkinder ist rechtlich in Kenia nicht durchsetzbar, wenn unsere Absolventen dem nicht freiwillig nachkommen. Erstes „Murren“ habe ich von Einzelnen schon mitbekommen. Das heißt alle Verträge sollten mit Hilfe eines Rechtsanwalts umformuliert und rechtssicher gemacht werden. Wer seinen Versprechen nicht nachkommt, dem kann in Kenia sein Gehalt gepfändet werden, egal wo er arbeitet.

  • Sr. Seraphine wird jeweils zum Jahresanfang eine Schätzung des benötigten Budgets vorlegen, um uns bessere finanzielle Planungssicherheit zu geben.

  • Erste Informationen über unser geplanten Open ERP- Systems und die Einbindung der kenianischen Projektpartner zur Ermöglichung der servergestützten dezentralen Arbeitsweise an gemeinsamen Dateien; Großes Grundinteresse liegt vor.

  • Sr. Seraphine braucht dringend personelle Unterstützung. Angedacht ist ein Absolvent unseres Waisenprojekts (Mercy), die Buchhaltung studiert.

 

Anschließend fuhren wir nach Nyabondo. Für mich persönlich war dort am schönsten zwei unserer Patenkinder zu treffen, Kevin und Emelda – die beide von Geburt an HIV- positiv sind und durch die antiretroviralen Medikamente von US- Aids- Relief überleben können. Es ist für sie nicht einfach: Neben dem Leben ohne Eltern ertragen sie die Nebenwirkungen der Medikamente, häufige Sekundärinfektionen und Probleme mit den Mitschülern. Zum Beispiel wird auf Emelda Druck ausgeübt, da in den engen Schlafräumen der Internatsschulen durch ihr häufiges Husten die anderen Angst vor Infektionen haben und sie auf eine Tagesschule wechseln soll.

 

In Nyabondo gab es noch ein dreistündiges Gespräch mit Sr. Seraphine. Neben den bei Sr. Margaret diskutierten Punkten besprachen wir folgendes:

  • Wenn von den Absolventen die Verpflichtung der fünfjährigen Anstellung in unseren Projekten nach einer Anstellung nicht eingehalten wird, muss der Gesamtbetrag der Förderung des Colleges (oder 50 % ? - muss beschlossen und im Vertrag mit notarieller Bestätigung fixiert werden) zurück gezahlt werden. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Ersten ausscheren und das Beispiel Schule macht, wenn keine Konsequenzen drohen.

  • Bei der jährlichen Erstellung des erforderlichen Finanzbedarfs durch Sr. Seraphine wird berücksichtigt und unterteilt, ob persönliche Patenschaften oder Förderung durch DfA vorliegt.

  • Sr. Seraphine braucht klarere Angaben von uns, welche Jugendliche zusätzliche Hilfe von uns über die Basisgrenze von 50.000 keSh für die Berufsausbildung bekommen.

  • Wir sollten eine Höchstgrenze für die Secondary-School- Kosten pro Jahr festlegen: Es gibt 3 Schularten, die sich in der Qualität der Bildung und in den Kosten unterscheiden – District- , provincial- und national schools, Die District- schools sind die preiswertesten und dementsprechend die mit den geringeren Aufstiegschancen.  Es gibt in unserem Programm Schüler, die 100.000 KeSh pro Jahr kosten!

  • Wir sollten verbindliche Summen für Attachments (Praktika) und Internship für Unterkunft, Transport und Verpflegung für die Collegestudenten in den medizinischen Berufen festlegen.

  • Die Results der Secondary- School examina werden im Februar 2014 veröffentlicht. Collegeaufnahme kann im März bzw. April 2014 erfolgen. Schnelle Entscheidungen sind  in Kenia und Deutschland zur Verneidung von Verzögerungen nötig.

 

Am Sonntagnachmittag trafen wir im St. Monica- Village den Witwenvorstand und wurden sehr freundlich begrüßt. Stolz wurde das Licht eingeschaltet und die Gesundheitskarte für den NHIF (National Health Insurance Fund) vorgezeigt.

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Die beiden Imker Johanna und Achim versuchen mit großem Engagement die Witwen für die Imkerei zu begeistern, haben schon mehrere Seminare durchgeführt, einige Beuten gebaut und kommen durch ihre natürliche und praktische Art gut an.

 

Mit Fr. Francis habe ich noch ein intensives Gespräch geführt. Auch auf mich macht er einen ehrlichen und sympathischen Eindruck:

  • Inventur im Store wird durchgeführt. Als wir diesen besucht haben, kam mir alles ziemlich „ausgedünnt“ vor.
  • Ausführliches Gespräch über Gehälter und leistungsabhängige Bezahlung. Verbindliche Zusagen habe ich nicht von ihm über eine Gehaltserhöhung von Nicholas bekommen, außer die Absichtserklärung, dass er eine 10%- ige Gehaltssteigerung für alle Angestellten innerhalb eines Jahres plant.
  • Separates Accounting der dental Unit im letzten jahr einschließlich unserer Zuschüsse hat er prompt übergeben.
  • Künftige Mobiles in nähere Umgebung, Maseno- School soll mit einbezogen werden.
  • Kopien der Überweisungen für das Krankenhaus auch an Erzbischof senden, gilt auch für st. Monica- Hospital Kisumu, da beide Krankenhäuser ihm unterstellt sind.
  • Es  ist möglich, dass in den nächsten Jahren die Dental Unit umgelagert werden muss, da die Hauptstraße verbreitert werden soll und Gebäude dort teilweise abgerissen werden. Alternativen sind angedacht.
  • Es  ist geplant, dass im College die Oral Health Officerausbildung integriert werden soll. Habe ihm gesagt, dass wir dazu keine Baukosten bezuschussen.

 

Die letzten beiden Tage verbrachten wir bei Sr. Gracia in Kapnyeberai mit zahnärztlicher Arbeit. Schlage vor, dass unser Absolvent, der Zahntechniker Frederick, der z.Zt. nur 2  Tage pro Woche in Kasarani beschäftigt ist bei ihr anfängt und wir einen Zuschuss zu seinem Gehalt für ein Jahr bezahlen.

Der Oral Health Officer Ronald, der zwei Tage pro Woche dort arbeitet, wird allgemein gelobt. Das Labor ist noch äußerst mangelhaft ausgerüstet. Ansonsten funktionieren die zahnärztlichen Geräte sehr gut. Der Fahrer Ken hat sich in die zahnärztliche Assistenz eingearbeitet und hält die Dinge zusammen.

Die größte Voraussetzung wird in naher Zukunft sein, dass wir es schaffen die zunehmende Zahl an jungen und gut ausgebildeten jungen Menschen in unsere medizinischen Projekte zu integrieren und die einzigartigen Chancen aus er Verzahnung von zahnärztlichem, Patenschafts- und Witwenprojekt zu nutzen.

 

Mein ganz besonderer Dank gilt Dieter Bolten und Ulrich Schwarz, die mit ihrem Fachwissen, ihrer Freundschaft und Kreativität dafür gesorgt haben, dass wir viel erreichen konnten. Für mich persönlich ist von unschätzbarem Wert solche Freunde zu haben.

 

Dr. Hans- Joachim Schinkel

 

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